Dinge vor denen ich mich fürchte...

April 28, 2016

 

...gibt es mehr als genug. Ich habe viele Phobien, mit denen ich über die Jahre gelernt habe klar zu kommen.

Da wäre z.B. Die Klaustrophobie (Angst vor geschlossenen Räumen etc.), die mich seit meinem vierten Lebensjahr begleitet.

Oder meine Platzangst, welche mich besonders im Bereich des Wassers (Schwimmbecken, Meer) überkommt. Dazu gehört auch meine Angst vor grossen Dingen, egal ob Gegenstände wie z.B. ein Schiff oder Lebewesen wie z.B. ein Wal!

Wie die meisten Frauen fürchte ich mich vor Krabbelviechern insbesondere Spinnen.

 

Aber das sind alles kleine Ängste, mit denen ich gut leben kann. Viele davon werden von Jahr zu Jahr schwächer und ich weiss, das eigentlich kein Grund besteht Angst zu haben.

 

Aber es gibt auch eine Angst, die für mich kaum erträglich ist. Eine Angst, vor der ich mich fürchte, die mich einnimmt und mir jegliches Urteilsvermögen raubt.

 

Es ist die Angst vor dem Verlust.

 

Ich habe mir nie ein grossen Freundeskreis zugelegt, ganz bewusst habe ich die Anzahl meiner Freunde sehr gering gehalten und auch innerhalb der Freundschaften es nie zugelassen, eine tiefe emotionale Bindung einzugehen.

Ich war der Überzeugung, das man so möglichen Schaden eingrenzen kann. Zudem versucht man allen Menschen, die einem was bedeuten immer zufrieden zu stellen, man darf ihnen ja keinen Grund geben sich von einen abzuwenden. Damals war mir nicht bewusst, das dieser Gedanke, dieses Handeln aus einer Angst des Verlustes hervor ging. Es war einfach logisch und sinnvoll für mich ... es war meine Wahrheit.

 

Mittlerweile habe ich vier wundervolle Kinder und bin mit meinem Traummann verheiratet, doch mit diesem Glück wächst auch die Angst des Verlustes. Denn umso wichtiger mir eine Person wird, desto mehr Angst habe ich, diese Person zu verlieren.

 

Bis zu einem gewissen Grad, ist das ja auch ganz normal. Wer möchte schon seine Liebsten verlieren?

Doch wenn man unter diesen Ängsten leidet, dann ist das regelrecht erdrückend und noch schlimmer ist es, wenn man sich seiner Angst bewusst ist und weiss welchen Schaden diese Angst mit sich bringen kann.

 

Mein Mann ist das Beste, was mir geschehen konnte, er ist eine treue Seele und würde alles für mich und unsere Familie tun. Er ist ein richtig herzensguter Mensch, den ich um kein Preis auf der Welt hergeben wollen würde. Ihn zu verlieren wäre ... das kann ich gar nicht in Worte fassen ... so schlimm wäre es für mich!

 

Den ganzen Tag kämpft man gegen innere Konflikte, die Angst versucht einem einzureden, das der geliebte Partner einen gar nicht lieben kann, schliesslich ist man nicht liebenswert und alle anderen viel besser als man selbst. Sie redet einem ein, das jegliches Verhalten des Partners auf eine baldige Trennung hindeutet, jede Bewegung, jedes Wort jeder Ausdruck im Gesicht des Partners wird genauestens analysiert und bewertet.

Gesprochene Sätze werden gedanklich so verdreht, das sie nur auf eine Trennung hin deuten können.

Dies ist der gedankliche Teil der Angst, damit kann man umgehen, man muss sich nur immer wieder bewusst machen, das es die Angst ist, die aus einem heraus spricht, die diese negativen Gedanken einpflanzt.

Doch da gibt es etwas, das viel schlimmer ist. Es ist das Gefühl, das dabei auftritt. Es ist so ein intensives Gefühl, das man es mit der eigenen Intuition verwechselt, man kann seinem eigenen Urteilsvermögen nicht trauen und dennoch folgt man diesem Gefühl, denn jegliche Logik und jegliches Gegenargument hat hier keine Chance, denn unsere Ängste liegen in dem Teil des Gehirns, welches umgangssprachlich Eidechsengehirn genannt wird und dort kommt unser Verstand nicht heran, er wird in solch Momenten der Angst einfach geblockt. Und so können wir nur von unsrer Angst gesteuert handeln.

Wenn man sich dann wieder beruhigt hat, ist es meist schon zu spät.

Die Dinge, die man nicht aussprechen wollte sind gesagt.

Die Dinge, die man nicht tun wollte, sind getan

und man bleibt beschämt und wütend auf sich selbst mit noch mehr Angst vor Verlust in der Situation alleine stehen.

 

Es ist ein Teufelskreis, jegliche Situation führt zu mehr Angst.

-Die Angst, die am Anfang steht, einfach weil der Partner so wichtig ist.

-Die Angst, die entsteht, weil man sich seiner Angst bewusst ist.

-Die Angst, die entsteht, weil man seiner Angst unterlag.

-Die Angst die entsteht, weil man seinem Partner von der Angst erzählt und dieser ja nun abgeneigt zu einem selbst sein kann.

-Die Angst, diese Angst nicht loslassen zu können.

-Die Angst vor der Angst.

 

Ich habe das grosse Glück ein Mann an meiner Seite zu haben, der mich liebt so wie ich bin. Mit allen Ecken und Kanten.

Ich habe das Glück, das mein Mann mir zuhört, wenn ich von meinen Ängsten spreche, wenn ich mich ihm öffne und der meine Verhaltensweisen verständnisvoll akzeptiert und versteht.

 

Er kann meine Angst zwar nicht nachvollziehen, denn für ihn gibt es kein Grund zu solch einer Angst, aber weil ich offen darüber rede, ihm schildere, wie ich mich fühle, welche Auslöser es gibt und woher sie stammen, kann er damit umgehen.

 

Deshalb richte ich diesen Text nicht nur an alle Menschen, die selber unter Ängsten leiden sondern auch an deren Mitmenschen, die unter dieser Situation leiden.

 

Ängste, die sich in Form von Eifersucht, Kontrollzwang und nicht nachvollziehbarer Panik zeigen, erhalten oft kein Verständnis. Das daraus entstehende Verhalten wird als belästigend und unreif gesehen. Doch bevor man urteilt, bevor man sich von dieser Person abwendet, sollte man einen Schritt zurück gehen und versuchen die Person zu verstehen. Man sollte sich bewusst machen, das auch wenn diese Ängste grundlos erscheinen, sie für die Betroffenen doch sehr real sind und um sie zu besiegen es oftmals Unterstützung benötigt.

Die meisten haben den Schmerz des Verlustes in irgendeiner Form bereits erlebt und sind dadurch traumarisiert. Da hilft es nicht eine Predigt zu halten, das einzige was hilft sind positive Erfahrungen. Sie müssen vom Gegenteil überzeugt werden, das kann lange Zeit dauern, bis sie das Vertrauen zurück erlangen, ihre Angst verlieren ... aber wer seinen Partner wahrhaftig liebt, der gibt sein Bestes , findet gemeinsam einen Weg ... und ich habe das grosse Glück solch ein Mann an meiner Seite zu haben!

Please reload