Erwartungen führen zu ...

May 12, 2016

 

...Enttäuschungen, wenn sie nicht erfüllt werden und sie führen zu Zufriedenheit, wenn sie erfüllt werden.

 

Jeder Mensch hat Erwartungen und jeder Mensch möchte Enttäuschungen vermeiden ...doch geht das überhaupt?

Je nachdem, wie sehr wir das Ergebnis kontrollieren können oder wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das unsere Erwartungen erfüllt werden, desto gelassener und zuversichtlicher gehen wir mit der Situation um. Wenn wir z.B. zum Bäcker gehen um uns zehn Kaiser-Brötchen für das Frühstück zu kaufen, dann erwarten wir auch, diese zu erhalten. Wenn der Bäcker nun aber keine Kaiser- Brötchen mehr hat, dann sind wir zunächst enttäuscht ... jedoch nur für den ersten Moment, denn der Bäcker hat noch andere Brötchen zur Auswahl und wir haben die Möglichkeit uns für andere zu entscheiden.

Warum war die Enttäuschung nur von kurzer Dauer?

Müssten wir nicht umso enttäuschter sein, desto überzeugter wir von unsren Erwartungen und deren Erfüllungen sind?

Das stimmt schon, aber ein Hauptfaktor, der darüber entscheidet, wie sehr und wie lange wir enttäuscht sind, ist, wie wichtig uns die Erfüllung unserer Erwartungen sind.

Es ist wichtig, was wir von diesen Erfüllungen abhängig machen, was wir in ihnen sehen und es kommt darauf an, wie sehr wir uns auf die Umsetzung der Erwartungen versteifen.

 

Oftmals sind es die Dinge hinter den ausgesprochenen - im Vordergrund gedachten Erwartungen, die uns verunsichern, von denen wir uns abhängig machen. Die uns so wichtig sind, das wir nur eine Option sehen, nicht enttäuscht zu werden ... nämlich die Erfüllung unsrer Erwartung!

 

Erwartung:

"Mein Partner muss an unsren Jahrestag denken und mir Blumen schenken"

Bedeutung dahinter:

"Wenn er diese Erwartung erfüllt, dann bin ich ihm noch immer wichtig und seine Gefühle für mich sind nicht geschwächt!"

 

Erwartung:

"Mein Kind muss sein/ihr Zimmer selber aufräumen und am besten auch sauber halten - ohne, dass ich es immer auffordern muss!"

Bedeutung dahinter

"Umso früher mein Kind selbstständig wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das es später auf eigenen Füssen stehen wird und in der Gesellschaft akzeptiert wird."

 

Erwartung:

"Hoffentlich lobt mich mein Chef für meine Arbeit!"

Bedeutung dahinter:

"Ich bekomme Anerkennung für mein Tun und kann davon ausgehen meine Sache gut zu machen ... zudem sinkt es das Risiko einer Entlassung!"

 

Die Erfüllung unsrer Erwartung ist somit eine Bestätigung, sie ist wie eine Absicherung für das Erreichen unsrer Ziele.

Wir fühlen uns regelrecht erleichtert, wenn unsere Erwartungen eintreffen, denn im Grunde genommen liegt ihr Ursprung in unsrer Angst.

Wir wissen was es für uns bedeutet, wenn unsere Erwartungen sich erfüllen, dann kommen wir der Bedeutung, dem Ziel dahinter ein Stück näher. Aber diese Ziele werden immer von Angst begleitet.

 

"Liebt mich mein Partner?",

"Wird mein Kind auf eigenen Füssen stehen?",

"Kann mein Chef mein Potential sehen?"

 

Hinter diesen Fragen, diesen Wünschen stecken Ängste:

 

"Ich habe Angst, das mein Partner mich nicht mehr liebt, ich ihm nicht mehr wichtig bin und er mich verlässt!"

"Ich habe Angst, das mein Kind im Leben nicht klar kommen wird, dass es nicht für sich sorgen kann ... und was ist, wenn ich eines Tages nicht mehr da bin!?"

"Ich habe Angst, das mein Chef meine Bemühungen nicht erkennt und mich entlassen wird!"

 

Sehr viel hängt von unseren Erwartungen ab. Jedenfalls denken wir das! Wir machen uns abhängig davon und vergessen dabei, das das Leben immer weiter geht, das es immer Auswege gibt und eine Enttäuschung auch nur ein vorübergehender Zustand ist und gewiss nicht das Ende.

Im Leben gibt es kein Stillstand, alles besteht aus Energie und ist stets in Bewegung. Schliesst sich eine Tür, so wird sich eine neue Tür öffnen. Natürlich erhofft man sich, das die eigenen Erwartungen sich erfüllen, denn dann wäre das Leben genau so wie man es sich wünscht, aber Enttäuschungen gehören nun mal zum Leben dazu. Sie sind der Gegenpol der Zufriedenheit. Es gibt kein Oben ohne ein Unten, kein Hinten ohne ein Vorne, kein rechts ohne ein links. Wir könnten Liebe nicht erkennen, wenn wir den Hass nicht kennen würden. Wir könnten uns nicht mutig fühlen, wenn wir die Angst nicht erlebt hätten. Und so sollten wir uns nicht fragen, ob wir Enttäuschungen vermeiden könnten, sondern wie wir am besten damit umgehen und wie wir sie mildern könnten.

 

Eine Anregung wäre z.B., das man sich stets bewusst macht, dass die Dinge auch anders verlaufen können, als es recht wäre. Natürlich ist es schön, wenn der Partner an den Jahrestag denkt, aber es kann auch sein, das der Partner eine andere Sichtweise der Dinge hat und seine Gefühle auf andere Weise zum Ausdruck bringt.

Man sollte nicht alles von einer Erwartung abhängig machen, denn wie der Bäcker noch andere Brötchen zur Auswahl hat, so hat man auch immer eine Option, solange man sich bewusst macht, das man sich stets weiterentwickelt und das Leben stets weitergeht.

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