Ich möchte heute über ein Thema schreiben, da mich viele Jahre belastet hat ...

January 11, 2016

 

...und auch immer noch ein wenig belastet. 

Ich bin seit 2005 aus der Schule draussen, hab meinen Abschluss gemacht und darauf ein Jahr in einem Garten-Center gearbeitet. 
Ich bin bereits mit 17 Jahren von zu Hause ausgezogen und habe von den 400€, die ich damals im Monat erhielt meine Miete, Strom und was sonst noch dazu gehört bezahlt. ich stand auf eigenen Füssen und war auch immer der Meinung eine Ausbildung machen zu müssen. 

Kurz bevor ich jedoch das Jahr im Garten-Center beendete, wurde ich mit meiner Tochter schwanger und von diesem Moment an rückte der Wunsch nach einer Ausbildung nach hinten. 

4 Jahre und drei Schwangerschaften später hatte ich immer noch keine Ausbildung. Ich war Vollzeitmama und das fühlte sich für mich richtig an ... dennoch war ich der Meinung, ich muss noch eine Ausbildung machen ... ich muss arbeiten gehen, damit ich sagen kann ich hab was erreicht. 

2010 wurde ich dann schlagartig allein erziehend und obwohl ich alle Hände voll zu tun hatte ... blieb ich bei der Meinung eine Ausbildung haben zu müssen. 

2 weitere Jahre vergingen, so langsam aber sicher hatte ich mein Leben wieder im Griff und mein Sohn war nun alt genug um in den Kindergarten zu gehen, sobald ich ein Ausbildungsplatz gehabt hätte. 
Leider habe ich mir damals zu viel zugemutet und der Druck den ich mir gemacht habe, wegen einer Ausbildung hat mich fast zusammenbrechen lassen. 

Ich war damals fast täglich unterwegs, hatte mehrere Termine - manchmal war ich 12 Stunden am Tag unterwegs - und das schlechte Gewissen vom Amt abhängig zu sein, die Blicke, die man von Aussenstehenden erhält voller Verachtung und Vorurteilen ... und dann hat man nicht nur das Gefühl als Mutter versagt zu haben, nein man hat als Mensch versagt! 

Und dieser Druck machte sich bemerkbar. 
Meine Autoimmunerkrankung wurde diagnostiziert.
Später wurde Schwindel Kopf- und Magenschmerzen zu meinen täglichen Begleitern. 
Und nachdem mein Arzt mir dann die Leviten gelesen hat musste ich mich dazu entscheiden, wieder den Plan eine Ausbildung anzufangen auf's Eis zu legen. 

Das fiel mir sehr schwer, denn wieder einmal habe ich mich wie eine Versagerin gefühlt. Ich habe mich ständig mit anderen Menschen verglichen, die sich bereits voll im Berufsleben befanden und dachte mir jedes Mal ... "Die sind soviel besser als Ich!"

Und nun bin ich glücklich verheiratet, mittlerweile Mutter von 4 Kindern. Ausbildung? .... Nein! Schlechtes Gewissen deswegen ... Jein!

Jein? 

Ja, weil ich doch immer der Meinung war, das man das unbedingt haben muss! Warum? Weil man das doch immer gesagt bekommt, weil man als dumm und faul bezeichnet wird, wenn man nichts in der Tasche hat. 
"Ich hab wenigstens was aus meinem Leben gemacht!", 
"Ich könnte mich nicht von einem Mann abhängig machen!", 
"Ich frage mich, was du mal im Leben erreichen möchtest?"
... das sind nur ein paar Aussagen, die man sich immer wieder anhören muss. 
Und weil ich meinen Mann finanziell unterstützen möchte. 

Nein, weil ich eine Erkenntnis gewonnen habe, die für mich diese Last von den Schultern genommen hat. 
All die Jahre hat sich in meinem Inneren etwas gegen eine Ausbildung gewehrt. Wenn ich mich in einem Betrieb vorgestellt habe wurde mir ganz flau im Magen ... zu grosse Angst hatte ich vor Mitarbeitern, die mich eventuell nicht mögen würden. Zu sehr hatte ich die Überzeugung zu dumm für eine Ausbildung zu sein, ja ... es fühlte sich sogar so an, als würde ich jemanden, der den Platz eher verdiente als ich, weg nehmen. 

Und eines Tages sass mein Mann und ich im Café und ich erzählte ihm mein Plan. Ich erzählte ihm, dass ich ihn sobald wie möglich finanziell unterstützen möchte - auch mein Beitrag leisten möchte - aber nicht in Form einer Ausbildung. 
Mir wurde klar, das dies nicht mein Weg ist. Wäre dies der für mich ideale Weg, dann hätte ich die Ausbildung längst in der Tasche. 
Aber heute weiss ich, das alles einen Grund hat ... ich weiss, das ich mein eigenen Weg gehen muss, nicht den, der einem von der Gesellschaft aufgezwungen wird ... sondern der, der sich für mich richtig anfühlt. 

Und dabei habe ich das grosse Glück einen Mann an meiner Seite zu haben, den ich nicht nur mein Ehemann und besten Freund nennen darf, sondern der auch voll und ganz hinter mir und meinen Entscheidungen steht. 

Ausbildung? Ja, ... aber dann weil ich es möchte, weil es sich für mich richtig anfühlt und nicht weil ich das Gefühl habe, das ich es machen muss, eben weil die Gesellschaft der Meinung ist, man muss doch was aus sich machen. 

Das fängt bereits in den Freundschaftsbüchern an:

"Was ich später werden möchte: ...."

Bin ich denn ohne Beruf / Ausbildung nichts? 

NEIN! Ich bin ein Mensch, eine Frau, eine Ehefrau, eine Mutter, eine gute Freundin, eine Nachbarin ... Ich bin Ich. 
Nicht weil ich ein beruf haben, sondern weil ich lebe ... und zwar so wie es mir gefällt, denn ich bin der Meinung, das wir Menschen nur ein Ziel im Leben haben .

Glücklich sein!
Und jeder hat sein ganz eigenen Weg zu seinem Glück. Für die einen ist es eine erfolgreiche Karriere für den anderen ist es ein Leben in einer Grossfamilie ... jeder sollte den Weg gehen dürfen, der sich für einem selbst richtig anfühlt, sofern man dabei niemanden schadet ist das auch vollkommen in Ordnung.

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