Das Eine schliesst das Andere nicht aus! ...

 

Das Gesetz der Polarität besagt, das alles einen Gegenpol hat und das der eine Pol ohne sein Gegenpol nicht existieren kann. Vereinfacht gesagt: "Es gibt kein Oben ohne ein Unten!"
Aber wie sieht das im Alltag aus und vor allem in Bezug auf uns Selbst?

 

Wir alle haben eine gewisse Erwartungshaltung an uns Selbst und dabei streben wir alle den Perfektionismus an. Wir schlüpfen immer wieder in bestimmte Rollen, die wir uns auferlegt haben. 
C.G.Jung bezeichnet dies als Persona. Jeder verhält sich seiner Rolle entsprechend. So hat zum Beispiel eine Mutter ein ganz bestimmtes Bild davon, wie eine gute Mutter zu sein hat und wird sich diesem Bild entsprechend verhalten.

Sie trägt die Persona "Gute Mutter" in sich. 
Eine Frau, die das Bild in sich trägt, das eine Frau schlank, schön und fit sein sollte, wird sich auch nach diesem Bild verhalten. Sie wird ihre Ernährung streng kontrollieren und sich täglich dazu motivieren ihre Workouts zu absolvieren. 

Ein Mann, der die Rolle des Familienoberhaupts in sich trägt, wird sich dominant verhalten und stets bemüht sein in seinem Job ein gutes Bild abzugeben. 

Doch was ist mit der gegensätzlichen Persona? 
Die Persona einer Mutter ist aufopfernd, fürsorglich, liebend, selbstlos,...

Ihr Gegenpol ist selbstverwirklichend, egoistisch, flexibel,... 

 

Die Persona der Sportlerin ist fit, diszipliniert, streng, kontrolliert, organisiert, zielstrebig...

Ihr Gegenpol ist entspannt, nachsichtig, faul, unorganisiert, träge...

 

Die Persona des Familienoberhaupts ist dominant, verantwortlich, selbstständig, pflichtbewusst,...

Ihr Gegenpol unterwirft sich, ist rücksichtslos, abhängig, unverantwortlich ...

 

Wird einer dieser Personen sein Gegenteil genau so schätzen und annehmen, wie die Persona/die Rolle, die sie spielen? Gewiss nicht. 
Wenn die Mutter, die die Rolle der guten Mutter spielt eine andere Mutter sagen hören würde, dass diese am Wochenende mit ihren Freundinnen feiern geht, würde die "gute Mutter" dies als falsch empfinden und wohlmöglich die andere Mutter dafür verurteilen. 
Das Bild dieser Mutter stimmt nicht mit dem Bild der "guten Mutter" überein und wie ihr ja bereits wisst bekämpfen wir zunächst alles, was sich nicht mit unsren Glaubenssätzen etc. verbinden lässt! 

Die Sportlerin wird nur den Kopf schütteln, wenn sie eine übergewichtige Frau sieht, die in ihren Burger beisst.

Und der Mann wird sich gar nicht vorstellen können, auch nur ein wenig seiner Bürde an jemand anderen abzugeben! 

 

Denn wenn wir uns für eine Persona entschieden haben, dann empfinden wir ihr Gegenteil automatisch als schlecht und fühlen uns als hätten wir versagt sobald wir nur ein wenig in unserer gegenteiligen Persona schlüpfen. 

 

Doch hier ist es ganz wichtig zu erkennen, das eben nicht nur in unserer materiellen Realität das Gesetz der Polarität besteht,  sondern auch in uns selbst!

"Wie innen so aussen"!
Und so hat auch unsere Persona ihren Gegenpol.

 

Ich zum Beispiel trage die Persona der Beraterin in mir. Es fällt mir leicht andere Menschen zu beraten, sie zu analysieren und dementsprechend Tipps zu geben und Übungen beizubringen. 

Ich erkenne schnell Lösungswege, schaffe es das Gute in der Situation zu erkennen, gehe gezielt an die Stärken einer Person heran und kann mit Verständnis reagieren. 
Würde man meinen, das eine Beraterin selbst Probleme hat, die sie nicht lösen kann oder gar selbst Schwierigkeiten hat, die Dinge, die sie lehrt umzusetzen? 
Würde eine Beraterin sich stolz als Beraterin präsentieren können, wenn sie Schwierigkeiten hat, aus denen sie nicht raus kommt? 

Gewiss nicht! Und dem ist leider so!

Ich habe selber viele Baustellen in meinem Leben, mit denen ich meine Mühe habe. Ich bin stolz darauf die Gabe zu haben, als Beraterin tätig zu sein und dies auch erfolgreich umsetzen zu können, aber manchmal hätte ich auch gern eine Beraterin an meiner Seite, die mich in schweren Zeiten an die Hand nimmt und wenn der Stress mal wieder über mich kommt mir sagt:

"Das wird schon wieder!"
Doch wenn man diese Schwächen öffentlich machen würde, dann bekommt man direkt das Gefühl, man wird als Beraterin nicht mehr ernst genommen und man muss schliesslich seine Persona perfekt spielen. 

Doch genau diese Wertung macht unser Leben so schwer und wir selbst sind es, die uns Steine in den Weg stellen. Unser Rucksack kann um einiges leichter sein, wenn wir anfangen uns so zu akzeptieren, wie wir sind. Wir können mit mehr Leichtigkeit und weniger Druck durch das Leben gehen, wenn wir anfangen unsere Gegenpole zu akzeptieren.

 

Ich bin Beraterin und manchmal selbst auch verzweifelt, aber das ist ok so. Denn das macht mich aus, ich könnte meine Klienten und Klientinnen nicht so gut beraten, wenn ich nicht selbst auch schon in einer verzweifelten Situation gewesen wäre. Ich wachse an diesen Situationen und kann so stets mein eigenes Ich, mein Bewusstsein erweitern! 
Unser Gegenpol ist keine Schwäche, es ist eine Chance und ich nehme sie dankend an um daran zu wachsen! 

Welcher Gegenpol in euch wartet darauf angenommen zu werden? 

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